Georgien

Georgien unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht viel von Armenien. Die Schrift und die Sprache sind andere und es gibt weniger Klöster aber dafür mehr Seen. Georgien begrüßt uns mit Sonnenschein und Pelikanen auf einem Tümpel. 

Die ersten drei Nächte verbringen wir am Parawani See. Der größte in Georgien.

In der kleinen Stadt vor dem See treffen wir Lukas und Valeria (Instagram: the_travely). Ein Treffen war sowieso geplant, aber dass wir uns so unverhofft treffen war doch eig. echt Zufall. Die beiden stammen aus Südtirol, sind auch schon eine ganze Weile unterwegs und haben eine beachtliche Liste an schon gesehenes Flecken der Erde aufzuweisen.

Wir parken am See. Der Parawani See ist gesäumt von Bergen und einige Berggipfel tragen auch Schneemützen. Gemeinsam verbringen wir den Abend so lange es geht. Sobald die Sonne weg ist wird es nämlich echt sau kalt. Unser zweiter Tag in Georgien vergeht mit viel Quatschen, Infos und Gegenstände austauschen und dem Planen für morgen.

Wieder treibt uns am Abend die Kälte in die Autos. Auf 2000m wird es eben auch Ende Mai noch echt kalt.

Am dritten Morgen weckt uns herrlicher Sonnenschein.

Auf ca. 2600m liegt der Levani See. Wir wollen versuchen ihn zu erreichen, machen uns jedoch auf Grund des von unten aus zusehenden Schnees nicht besonders viele Hoffnungen ihn zu erreichen.

Über schöne Wiesen geht es stetig bergauf. Eine erste matschige Passage umfahren wir einfach. Kurz danach liegt das erste Schneefeld vor uns. Lukas erkundet mit der Drohne und macht den kürzesten Weg hindurch aus. Hanjo nimmt Anlauf und versucht es. Nicht mal die Hälfte schafft der Lux, dann sinkt er ein und steckt fest. Zum Bergen wird einiges an Material ausgepackt und der zweite Lux zieht Hanjo wieder heraus. Ein bisschen Schaufeln und nochmal mit Schwung rein. Das Ergebnis bleibt das Gleiche. Wir überlegen und wägen Gefahren und Möglichkeiten ab.

Plötzlich hören wir Motorengeräusche. Vier verschiedene Geländewagen kommen den Berg hinauf. Einer teurer ausgestattet als der andere. Männer aus Tibilisi, der Hauptstadt Georgiens. Auch sie wollen zu besagtem See fahren.

Ein großer Ford Pickup mit riesigen Reifen fährt im Schneckentempo über den Schnee und macht so eine Fahrspur für die anderen Fahrzeuge. Die leichten Autos, welche nur auf eine Tagestour ausgelegt sind, fahren so ohne Mühe über das Schneefeld.

Bepackt für eine einjährige Reise wiegen wir eben doch etwas mehr. Uns wird angeboten, dass sie uns durchziehen. Da sagen wir nicht nein.

Nachdem alle Autos auf der anderen Seite angekommen sind packen wir unser Bergematerial zusammen. Die Gruppe Georgier fährt schon mal gemütlich voraus. Ab hier wird die Tour härter. Der normale Weg zum See ist noch nicht befahrbar. Wir versuchen es also komplett off-road. Immer mehr Stein- Geröllfelder tauchen auf. Kleiner schaffen wir noch gut zu passieren, aber sie werden immer breiter und länger. An einem beschließen wir letztendlich die Tour für uns dort enden zu lassen. Die Steine sind recht spitz und liegen kreuz und quer. Zusammen mit unserem Gewicht keine gute Kombination für die Reifen.

Die vier kleinen Geländewagen sind mittlerweile außerhalb unserer Sichtweite.

Auf dem Rückweg rutschen wir einfach mit viel Schwung bergabwärts durch das Schneefeld.

Auf einer Anhöhe, bevor man wieder ganz hinunter zum Parawani See kommt, übernachten wir und es friert in der Nacht wieder.

Am nächsten Morgen herrscht ein bisschen Hektik. Andere Reisende (Instagram: endless_footsteps) haben im Dorf unweit unseres Standortes eine Panne. Ein an ihnen vorbeifahrender LKW hat Steine verloren welche ihnen auf die Windschutzscheibe geprasselt sind. Ende der Geschichte: Der alte VW LT hat keine Windschutzscheibe mehr.

Wir packen zügig zusammen und fahren zu ihnen. Puhhh eine neue Windschutzscheibe für ein so altes, exotisches Auto zu finden könnte schwierig werden und dauern. Alle Anwesenden machen den Betroffenen wenig Hoffnungen auf ein schnelles Weiterkommen.

Mit Hilfe von Einheimischen wurde bereits ein Abschlepper organisiert welcher pünktlich, wie vereinbart um 9:30 anrollt. Es kostet etwas Mühe den großen LT auf den vergleichsweise kleinen Abschlepper zu laden, aber es gelingt. Gemütlich machen sich Patrick, Daniela und ihr Hund Maya so auf den Weg nach Tibilisi.

Auch wir wollen heute in die Hauptstadt. Valeria und Lukas haben andere Pläne und so verabschieden wir uns nach ein paar schönen Tagen.

Wir sind ein bisschen irritiert wie viele Reisende wir plötzlich treffen. An zwei weiteren, welche ich hier gar nicht erwähnt habe, sind wir ebenfalls vorbeigekommen. Es fühlt sich ein wenig komisch an, aber es zeigt auch, dass wir langsam wirklich wieder in die Nähe Europas kommen.

Als erstes fahren wir einkaufen und anschließend auf einen beliebten Stellplatz mitten in der Stadt. Bei unserer Ankunft parkt bereits ein niederländisches Fahrzeug dort.

Eine halbe Stunde später kommen weitere Deutsche mit einem kleinen Kastenwagen. Heute Abend wollen wir noch in die Stadt laufen und es uns in einem Restaurant gut gehen lassen. Wir schließen gerade alles ab, da brummt ein großer Kastenwagen die Straße hoch.

Sieht da, der LT von heute morgen mit nagelneuer Scheibe! Patrick und Daniela berichten, dass sie in der Werkstatt alle wild herum telefoniert haben und drei Stunden kam einfach ein Transporter mit einer passenden Scheibe an. Auf dem Aufkleber der Scheibe steht eindeutig VW LT, nur eben aus russischer Produktion. Die beiden sind sehr erleichtert und wollen nur noch ihre Ruhe.

Die lassen wir ihnen und laufen in die Stadt runter.

Tibilisi begeistert uns sofort. Auf den ersten Blick hat die Stadt viel zu bieten: Kirchen, Architektur, eine Gondelbahn, Altstadt…

Wir schlendern zur Altstadt, sich uns ein Lokal aus und essen die traditionellen Khinkali. Die Teigtaschen sind so groß wie eine kleine Birne und wahlweise mit Fleisch, Käse oder Pilzen gefüllt.

Auffällig sind hier auch die vielen Ukrainischen Fahnen. Sie wehen von Balkonen, an Fahnenmasten und Autos. Die Solidarität mit dem im Krieg steckenden Land ist hier groß. Auch Autos mit ukrainischen Kennzeichen sehen wir. Genauso aber auch Russen. Georgien ist Zufluchtsort beider Parteien des Krieges geworden.

Wir vermuten, dass die Solidarität hier so groß ist, da zwei Gebiete Georgiens (ca. 20% der Fläche des Landes) ebenfalls von Russland besetzt sind. Jedoch haben wir auch gelesen, dass diese Gebiete gern autonom wären oder tatsächlich mit der Übernahme Russlands sympathisieren.

Den folgenden Tag verbringen wir wie klassische Touristen mit Sightseeing. Am Abend treffen Lea und Matthias aus Belgien auf dem Platz ein. Beide haben wir schon zwei Mal im Iran getroffen (Instagram: apache_la_gazelle). Bei einem Bier sitzen wir zusammen und tauschen die neuesten Erlebnisse und Erfahrungen aus.

Den darauffolgenden Tag verbringen wir ebenfalls mit einem Stadtbesuch. Um wieder eine richtige Dusche zu bekommen besuchen wir eines der traditionellen Schwefelbäder der Stadt. Für eine Stunde buchen wir ein "Private Room". Dieser enthält einen Vorraum zum Umziehen, ein großes Becken mit heißem Schwefelwasser, ein etwas kleineres Becken mit kaltem Wasser, Duschen, Sauna und eine Toilette. Soweit echt cool. Das Wasser ist jedoch so heiß, dass man schon beim Reinhalten des kleinen Zehs denkt, dass dieser gleich gekocht abfällt. Wir lassen kaltes Wasser mit in das Becken. Bei der Größe dauert das  jedoch. In der Zwischenzeit testen wir die Sauna. Der Ofen rennt volle Lotte. Ein Thermometer gibt es nicht. Durch das Handtuch wird der Hintern dermaßen heiß, dass man es auch hier nur ein paar Minuten aushalten kann. Nun ja, letzten Ende sitzen wir ein paar Minuten im heißen Schwefelwasser und duschen dann. Schwup ist die Stunde auch schon um. Zurück am Lux fällt uns ein, dass unsere Drohne nicht mehr funktioniert. Ein Softwareproblem welches wir durch Updates, Neustarts usw. bisher selbst nicht in den Griff bekommen haben. Tatsächlich gibt es hier in Tibilisi einen Drohnen Shop welcher auch Reparaturen anbietet. Den nächsten Morgen nutzen wir also um diesem Laden einen Besuch abzustatten. Der nette Herr erkennt den Fehler sofort.

Normalerweise muss ein Teil ausgetauscht werden. Dieses hat er aber nicht auf Lager und es würde erst in zwei Wochen geliefert werden. Diese Option ist somit für uns raus.

Er bietet an das Bauteil professionell zu reinigen und wieder einzubauen. In ca. 80% der Fälle würde dies den Fehler beheben. Ok, das hört sich doch gut an. Unsere Drohne ist jedoch nicht die einzige in der Werkstatt und so soll die Reparatur ca. 2-3 Tage dauern. Und so lassen wir unseren Copter dort zurück und beschließen unseren Trip durch Georgien fortzusetzen. In ein paar Tagen kommen wir einfach nochmal in die Hauptstadt, waschen Wäsche und sammeln das Teil wieder ein.

Richtung Berge verlassen wir Tibilisi, fahren ein Stück durch einen kleinen Bach und übernachten an einem Waldrand.

Uns wecken zwei Kamaz LKW die in den SEHR matschigen Weg in den Wald fahren. Gegen 10 Uhr kommen sie zurück. Die Männer grüßen, während wir den Lux abfahrbereit machen.

Heute fahren wir in das erste von insgesamt drei geplanten Deadends, also Sackgassen an deren Ende jeweils ein Dorf liegt.

Heutiges Ziel ist Omalo. Die Straße ist schlecht. Asphalt natürlich nicht vorhanden viele Schlaglöcher und lose Steine, Wasserlöcher und Matsch. Auf dem Weg nach oben begegnet uns fast niemand, außer mehrere Schaf- und Kuhherden welche von Reitern nach oben getrieben werden. Durch die Herden fahren beherrschen wir mittlerweile perfekt.

In Serpentinen geht es bei schönstem Sonnenschein hoch hinauf durch ein wunderschönes bewaldetes Tal. Kurz unter der Baumgrenze sehen wir die ersten und einzigen Häuser/Hütten. Als wir eines der Häuser passieren hält uns ein älterer Herr an und macht verständlich, dass nach weiteren 15km die Straße gesperrt ist. Ok, das haben wir uns fast gedacht, aber wir fahren weiter. Den Pass wollen wir schon gern sehen.

Die Aussicht von ganz oben ist wunderschön!

Hinter dem Pass sehen wir schon von weitem Raupen fahren. Sie räumen Schnee. Angekommen an der „Sperrung“ treffen wir drei deutsch Motorradfahrer auf gemieteten Maschinen. Auch für sie ist hier Schluss. Es wurde bereits in Erfahrung gebracht, dass noch gut 2km Straße von 6m hohem Schnee zu befreien ist. Die Männer rechnen damit in 4-5 Tagen damit fertig zu sein.

Zu spät für uns. So viel Zeit haben wir nicht.

Wir wenden und machen uns auf den Rückweg.

Weitere Touristen mit Mietwagen kommen uns entgegen. Wir sagen ihnen Bescheid, aber natürlich wollen alle selbst schauen fahren.

An einem kleinen Fluss fließt Wasser mit starker Strömung unter noch verbliebenem Schnee hindurch. Doch was ist das?! Da im Schnee sitzen zwei kleine Lämmer. Ein weißes und ein braunes. Durch ihre Herde sind wir noch vor wenigen Minuten gefahren.

Uns ist bewusst dass die beiden Tiere hier einen qualvollen Tod sterben werden, wenn wir nicht handeln. Wir beschließen also beide einzufangen.

Linda gelingt es recht schnell, das kleinere braune Lamm einzufangen. Auf dem Beifahrersitz nimmt sie es auf den Schoß. Das Weiße ist uns leider entwischt und läuft in den „Schneetunnel“ durch den der Fluss fließt. Hanjo kann es nicht mit ansehen, wechselt zu festen Schuhen und krabbelt dem Lamm hinterher.

Nach drei Versuchen kann er es erwischen. Es findet einen Platz im Fußraum. Wir drehen um und fahren wieder bergauf, den Hirten hinterher.

Die uns entgegenkommenden Mietwagen sehen uns verwirrt an und wir klären sie auf. Auch der ältere Herr am Haus schaut komisch als wir so spät am Nachmittag wieder nach oben fahren. Wir zeigen ihm die Lämmer und man sieht, dass er sich über unseren Einsatz sehr freut. Die Schafherde ist gerade am Haus vorbei, sodass wir sie schnell finden. Durch Hupen und aufgeregtes Winken machen wir einen der reitenden Hirten auf uns aufmerksam. Er steigt von seinem Pferd und kommt zu uns. Wir zeigen ihm die beiden Lämmer. Er staunt und ist sehr glücklich, dass er sie wieder hat.

Wahrscheinlich hatte er den Verlust noch nicht bemerkt und als letzter Reiter war es vielleicht auch seine „Schuld“ dass sie verloren gingen.

Wir drehen wieder und es geht bergab. Der ältere Mann von der Hütte bietet uns noch Tee und Kaffee an, aber es ist mittlerweile schon so spät und wir müssen noch runter, dass wir das Angebot ausschlagen.

Wenige Kilometer weiter unten steht einer der Mietwagen und wir sehen die beiden Insassen zu Fuß weggehen. Da es mittlerweile Regnet gehen wir davon aus, dass sie eine Panne haben. Und so ist es. Einen Platzen und den Reifen auch noch von der Felge gezogen. Ihr Ersatzrad haben sie schon am Tag vorher kaputt gefahren.

Wir nutzen also Wagenheber, unseren Kompressor und das Reifenflickset und helfen aus der Patsche.

Unten im Tal finden wir einen netten Patz auf einer Wiese neben dem Fluss für die Nacht.

Am Morgen haben wir Ameisen zu Besuch. Sie spazieren fröhlich am Türrahmen entlang, über den Kleiderschrank in den Zeltstoff unseres geschlossenen Aufstelldachs. Auch auf dem Boden finden wir einige. Also alle Polster usw. raus, nach vorn in die Fahrerkabine.

Wir töten alle Ameisen die wir finden können und sprühen ein Insektenschutzmittel an den Türrahmen (was anderes haben wir nicht).

Anschließend räumen wir alles wieder ein, frühstücken und fahren weiter.

Die nächste Sackgasse führt nach Shatili. Die Strecke ist breit und neu ausgebaut. Mehrere Campingplätze, Hotels, Restaurants und Guest Häuser säumen dem Weg im breiteren Teil des Tals. Als es enger wird sind da nur noch die recht gute Schotterpiste, der Wald und wir. An breiteren Stellen mit Wiese kommen wieder Dörfer und wir fahren in Schlangenlinien auf bis 2650m. Hinter dem Pass geht es wieder bergab in ein wundervolles Tal. An einem Fluss entlang kommen wir bis nach Shatili. War das Wetter am Morgen noch gut, hat es mittlerweile begonnen zu regnen und sich grau zugezogen.

Trotzdem passt diese Stimmung zu dem kleinen Dorf. Es ist sehr touristisch, obwohl man den „Ansturm“ hier wohl erst in ein paar Wochen erwartet. Die meisten Restaurants und Unterkünfte sehen noch geschlossen aus. Von der verfallenen Burg und den alten Häusern des Dorfs machen wir einige Fotos. Danach würden wir gern was essen. Durch Zufall sehen wir zwei Touristen aus einem Haus kommen und es scheint als wäre es ein Café o.ä.

Die Wirtin bittet uns herein. Ein Raum voll von Gerümpel, ein paar Tische, am Eingang eine Theke und dahinter eine kleine Küche. Sie zählt auf, was sie alles kochen könnte. Nur von zwei Sachen wissen wir was es ist und bestellen deshalb Salat und Khinkali (mit Fleisch gefüllte Teigtaschen).

Am Fluss finden wir einen Platz an welchem ein kleines Schild mit einem Zelt darauf steht. Den nehmen wir doch gern. Und so parken wir für die Nacht etwas außerhalb des Dorfes.

Die Sonne begrüßt uns am nächsten Tag und so machen wir nochmal Bilder von der Burg und den alten Häusern bei Sonnenschein.

Dann machen wir uns auf in einen langen Tag. Heute steht Müll entsorgen, Wasser tanken, Wäsche waschen, einkaufen und duschen auf dem Plan. Müll ist schnell auf dem Weg nach unten entsorgt (es gibt hier an den Straßen überall große Mülltonnen) und Wasser finden wir auch sodass wir auftanken können.

Zurück in Tibilisi kaufen wir Lebensmittel ein, essen zu Mittag und erledigen Telefonate. So langsam müssen wir auch zuhause wieder anfangen einiges zu regeln. Noch ziemlich genau zwei Monate bleiben uns jetzt bis wir wieder zurück zuhause sein müssen.

Zum Wäsche waschen fahren wir in ein Hostel. Das Duschen für 6€ pro Person ist uns allerdings zu teuer und so beschließen wir am nächsten Morgen mit unserer Outdoordusche zu duschen. Bei den Temperaturen von über 30C in der Hauptstadt sollte das kein Problem sein.

Am Abend finden wir einen Platz am Waldrand außerhalb der Stadt. Weit und breit niemand zu sehen und so können wir am nächsten Morgen duschen.

Wir fahren in die Stadt und holen die Drohne wieder ab welche glücklicherweise wieder tadellos funktioniert.

Vielleicht erinnert ihr euch noch an Anke und Erik?! Das Diplomatenehepaar welches wir in Saudi Arabien, in Riad besucht haben? Beide haben auch schon mal hier in Tibilisi gearbeitet und sich seit dem in die Stadt und Georgien allgemein verliebt. Verbrachten sie doch erst ihren Skiurlaub im Frühjahr hier kommen sie jetzt für einen einwöchigen Roadtrip. Ihre Route passt leider nicht zu unserer, aber wir treffen uns mit Anke in einem Café. Erik kommt leider erst in zwei Tagen nachgeflogen. Wir freuen uns sehr Anke wieder zu sehen. Bei der Verabschiedung in Riad hatte wohl keiner von uns damit gerechnet, dass wir uns so schnell wieder sehen würden.

Nach dem Treffen fahren wir raus aus der Stadt in Richtung Stepanzminda, übernachten irgendwo auf der Streck und fahren am nächsten Tag hoch.

Die Straße ist gesäumt von LKW an LKW. Nach unseren Überschlagsrechnungen parken wohl ca. 3.000 - 4.000 LKW hier dicht an dicht auf dem Seitenstreifen. Alle warten darauf die Grenze nach Russland passieren zu können.

Es ist viel los auf dieser Strecke, LKW, kleine Touristenbusse, Mietwagen, wir und die Polizei. Es wird wild überholt und es wundert uns nicht an drei wirklich schweren Verkehrsunfällen vorbei zu kommen. Doch bei der Struktur und Dichte der hiesigen Gefahrenabwehr (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst) möchten wir nicht in der Haut der Verunfallten stecken.

Wir kommen durch den Ski Ort Gudauri und stellen fest, dass man hier wohl tatsächlich keinen schlechten Winterurlaub verbringen könnte.

In Stepanzminda fahren wir noch den Berg hoch zum Kloster und staunen nicht schlecht, als wir einen vollen Parkplatz und schon fast Massen von Touristen sehen.

Erstmal parken wir etwas abseits und warten dass es Abend wird und die alle verschwinden. Gegen 18:30 Uhr wird es dann weniger. Wir brechen auf zu einem „Foto-Spaziergang“, kochen und gehen schlafen.

Den nächsten Morgen nutzt Hanjo früh um 6 Uhr um mit der Drohne Bilder vom Kloster mit Panorama ohne viele Leute zu machen.

Danach starten wir den Rückweg. Berg runter und wieder an unzähligen LKW vorbei. Unser Navi lenkt uns auf eine Nebenstrecke welche sich als Off-road Piste entpuppt. Uns soll’s recht sein und so fahren wir euch einige Matschlöcher, kleine Dörfer und vorbei an wunderschönen bunten wilden Blumenwiesen.

Auf unserem Weg begegnen uns Fahrzeuge der EUMM (European Monitoring Mission), also Beobachter der seit 2008 von Russland besetzten Gebiete in Georgien. Wir fahren dicht an der „Grenze“ zu einem solchen Gebiet entlang. „Einreisen“ kann man in diese beiden Gebiete (ca. 20% Georgiens) nicht.

Wir versuchen nach Uschguli und von dort weiter nach Mestia zu fahren. Dazu muss ein Pass passiert werden von dem wir bisher keine Informationen über seinen aktuellen Zustand auftreiben konnten. Auf dem Weg fahren wir beim Secret Pool vorbei. Ein Pool mitten in den Bergen mit einer fantastischen Aussicht. Erbaut von Stalin ist er heute noch funktionstüchtig. Bei unserem Besuch jedoch voll von Algen, sodass er nicht wirklich zum Schwimmen einläd.

Wir übernachten auf einem Platz an einem Fluss bevor wir am nächsten Morgen auf die ca. 100km lange Strecke aufbrechen.

Anfangs ist die Straße asphaltiert und gut. Je weiter wir kommen wird das Panorama atemberaubender, die Straße jedoch immer schlechter. Die letzten 20km vor dem Pass sind voller Steine und Felsbrocken. Wir müssen Zickzack fahren. 10km vor Uschguli liegt ein Fluss vor uns in dem keine erkennbare Furt zu sehen ist. Eine Gruppe von Motorradfahrern steht auf der anderen Seite. Zu Fuß queren wir den Fluss und fragen, ob sie etwas wissen, wie es weiter geht. Sie wissen es nicht. Sie sind in die gleiche Richtung unterwegs wie wir und fahren nun einfach mal weiter schauen. Von hier unten kann man schon sehen, dass oben auf der Straße Schnee liegt und auch ein Erdrutsch stattgefunden haben muss. Auch einen abgerutschten Bagger sehen wir im Hang liegen. Wohl nicht die besten Voraussetzungen hier lang zu fahren.

Ein weiterer Motorradfahrer kommt an den Fluss. Er fragt uns was wir wissen. Ja, eigentlich nichts. Er versucht durch den Fluss zu fahren und bleibt stecken. Mit vereinten Kräften und nassen Schuhen helfen wir ihm aus seiner misslichen Lage.

Hinter dem Fluss dauert es keine 300m und er stürzt wieder. Noch einmal helfen wir das schwer bepackte Gefährt aufzurichten.

Er fährt weiter, wir erkunden die nächsten 500m zu Fuß. Im Weg sind ein Schneefeld (welches noch gerade eben passierbar wäre) und ein Erdrutsch welcher schon etwas planiert wurde aber sehr viele große Steine beinhaltet.

Wir sehen gar keine anderen Autospuren, nur Pferdespuren, Motorräder und Fahrräder. Auch wissen wir nicht, wie es die nächsten 10km bis Uschguli nach diesen beiden Herausforderungen weiter geht.

So entscheiden wir letzten Endes umzukehren. Auch der einzelne Motorradfahrer entscheidet sich dazu.

Auf dem Weg nach unten sehen wir zwei Männer mit Pferden Holz schlagen. Wir halten und fragen, ob sie etwas wissen. Sie meinen, dass es mit dem Auto auf keinen Fall geht. Sie kommen beide aus Uschguli, aber auf Grund des Zustandes des Passes eben mit dem Pferd. Und so ist unsere Entscheidung umzukehren also die einzig richtige gewesen.

Der Einfachheit halber fahren wir auf den schönen Platz am Fluß zurück von welchem wir am Morgen gestartet sind. Ein weißer Hund mit den spitzen Ohren und dem Gesicht eines Wolfs leistet uns Gesellschaft. Er ist zurückhaltend, lieb und „höflich“ und so wird er der erste Streuner auf unserer Reise dem wir etwas zu fressen geben. Den ganzen Abend und die ganze Nacht bleibt er bei uns. Man merkt wie er Vertrauen gewinnt, sich kraulen lässt und sich in unserer Nähe entspannt.

Nach der Pleite mit dem Pass beschließen wir erst ein paar andere Punkte anzufahren ehe wir es über die andere Richtung (Mestia) noch einmal versuchen wollen.

In den nächsten Tagen fahren wir also zu einer heißen Schwefelquelle, einem Wasserfall und einem riesigen verfallenen Sanatorium (Lost Place).

Unser nächstes Ziel ist Mestia und von dort aus nach Uschguli den Pass noch einmal von der anderen Seite anschauen. Die Landschaft, die Berge in Mestia sind gigantisch! So ein wunderschönes Bergpanorama haben wir lange nicht gesehen.

Wir wollen etwas essen gehen und parken auf der Straße vor einem Restaurant. Beim Aussteigen hören wir etwas zischen. Der Reifen vorne rechts verliert Luft. Im Regen wechseln wir also das kaputte Rad gegen den Ersatzreifen aus. Nach dem Essen suchen wir eine „Werkstatt“ auf. Hier in diesem Dorf eher schwierig. Der Herr telefoniert wild umher. Unser Reifen hat an der Seite einen Riss, das können wir mit unserem Flickzeug nicht selbst reparieren. Wollen aber auch nicht ohne einen einsatzbereiten Ersatzreifen weiterfahren. Nach den Telefonaten erklärt er, dass er leider keinen Flicken auftreiben kann und uns nicht helfen kann. Aber er hat eine Maschine um Reifen umzuziehen. Und so bitten wir ihn den kaputten von der Felge zu ziehen und unseren Ersatzmantel (vom Dachträger) auf die Felge zu machen.

So haben wir wieder einen einsatzbereiten Ersatzreifen und den kaputten nehmen wir auf dem Dach mit.

Es ist schon spät und es sind noch 60km nach Uschguli. Wir suchen uns in der Nähe des Skilifts einen Schlafplatz. Während es draußen schüttet schauen wir einen Film und gehen dann zu Bett.

Am Tag darauf haben wir morgens etwas besseres Wetter und die Gipfel zeigen sich verhalten langsam durch die Wolken. Auch der höchste Berg Georgiens, der Schara (5000m) lässt sich blicken.

Schon in Mestia, aber noch mehr in Uschguli prägen hohe Türme das Bild. Die Swanetischen Wachtürme stammen aus dem 10. Jahrhundert und sind seit 1996 UNESCO Weltkulturerbe. Hinzu kommt, dass Uschguli des am höchsten gelegene europäische Dorf ist (2400m).

Nach einer kleinen Besichtigung fahren wir in Richtung des Passes. Der Weg ist nicht perfekt aber für unseren Lux kein Problem. Wir nähern uns immer weiter der Stelle an welcher es vor ein paar Tagen nicht weiter ging. Ehrlich gesagt haben wir wenig Hoffnung, dass es diesmal klappt, denn die beiden Holzfäller meinten es könnte bestimmt noch zehn Tage dauern.

Doch siehe da, der Erdrutsch ist geräumt ebenso der Schnee und durch den wilden Fluss wurde eine Furt gezogen. Ohne das kleinste Problem fahren wir die Strecke.

Erneut der Einfachheit halber kommen wir wieder auf den Platz am Fluss und siehe da, wer kommt uns entgegen gelaufen?! Der weiße „Wolfshund“. Es ist offensichtlich, dass er uns wieder erkennt. Er freut sich, lässt sich streicheln und liegt neben uns während wir in unseren Campingstühlen den Sonnenuntergang anschauen.

Am Abend bekommt er natürlich ein paar Nudeln ab. Linda interessiert es nun doch, ob und wie man einen Hund aus einem Nicht-EU Land mit nach Deutschland bringen könnte.

Es dauert nur das Lesen einer Internetseite des Zoll und es steht fest, dass das für uns auf keinen Fall machbar ist.

Tollwut Impfung (muss mind. 3 Wochen alt sein wenn das Tier in die EU kommt)

Chip bekommen

Papiere mit Chipnummer, Halter etc.

Blutprobe mit Test auf Tollwut (kann aber erst 3 Monate NACH der Tollwut Impfung durchgeführt werden und dauert dann nochmal 3-4 Wochen)

Für die Dauer von Tollwut Impfung bis Ende Bluttest muss das Tier in Quarantäne

All das muss man natürlich zahlen und ein Hund welcher die Freiheit kennt drei Monate für die Quarantäne in einen Zwinger sperren muss ja auch die Hölle und wesentlich wesensverändernd sein.

Also füttern wir den lieben Kerl nochmal und verabschieden uns am nächsten Morgen von ihm.

In Kutaisi kaufen wir noch ein, lassen den Reifen flicken und machen uns auf den Weg in Richtung Zekari Pass. Die Landschaft ist wieder so unbeschreiblich schön. Wie auch schon Armenien gefällt uns Georgien mit jedem Tag mehr.

Kurz hinter der Passhöhe finden wir einen kleinen ebenen Platz zum Nächtigen. Wir schießen noch ein paar schöne Fotos und schlafen dann nach einem langen Tag ein.

Der Weg nach unten ist noch schlechter als nach oben und eine riesige Baustelle. Eine chinesische Firma baut hier eine breite asphaltierte Strecke während sämtlicher Verkehr weiter läuft. Wir schlängeln uns also durch Bagger, LKW, Felsbrocken, Schlaglöcher, Matschseen und einen Stau mitten in einem Dorf. Unterwegs treffen wir ein Pärchen aus Osnabrück mit ihrem Defender und Dachzelt sind sie auch schon über ein Jahr unterwegs und so gibt es gut 1,5h Unterhaltung auf der Straße. Ein Stück weiter begegnet uns eine ganze Reisegruppe mit den unterschiedlichsten Reisemobilen. Ein Mitglied der Gruppe kennt uns und so gibt es kurzen „Fan-Talk“ von Fenster zu Fenster. Ziemlich geschlaucht finden wir nach einigem Suchen einen Platz für die Nacht und duschen noch ehe wir müde ins Bett fallen.

Heute gehts weiter nach Batumi. Der Weg wird wieder zu einer richtigen asphaltierten Straße. Wir werden ab jetzt so gut wie nur noch Straße fahren, denn wir müssen in ziemlich genau vier Wochen wieder in Deutschland sein. Daher beschließen wir dem Toyota endlich eine Wäsche zu gönnen, denn der Dreck ist mittlerweile einige Schichten dick.

Überall in Georgien findet man Selbstbedienungs Waschparks. Insgesamt 20 Lari (ca. 6,60€) werfen wir nach und nach für den Hochdruckreiniger, Schaum und den Staubsauger ein. Dann glänzt der Lux wieder. Noch ein Reifen wechseln, Wassertanken und dann sind wir nach über 2,5h fertig und fahren weiter nach Batumi. Auf einem Parkplatz darf man auch übernachten und so treffen wir dort viele andere Reisende. Auch hier kennen uns tatsächlich ein paar Reisende.

Wir laufen in die Stadt etwas essen. Zum Abschied aus Georgien gibt nochmal Khinkali (wie Maultaschen), Schaschlik und Khachapuri (Teigtaschen gefüllt mit Käse).

Für heute sind wir kaputt und verbringen den Abend in den Klappstühlen und bei Regen später in der Kabine.

Eigentlich wollten wir heute fahren, entscheiden aber doch noch eine Nacht zu bleiben und die Stadt noch etwas anzuschauen. Batumi wird auch das Las Vegas des Kaukasus genannt. Viele Casinos laden hier ein sein Geld zu verplempern. Bei bestem Wetter flanieren wir die tolle Promenade entlang. Der Strand ist ein Kiesstrand, kann sich aber abgesehen dessen echt sehen lassen. Das Wasser des schwarzen Meeres ist türkis blau. Auch einige „Wolkenkratzer“ hat die Stadt zu bieten, wovon einige auch noch in Bau sind. Auch der Hafen ist interessant zu beobachten. Kleine Schlepper, Touristenboote und Fähren fahren ein und aus. Mit einer Godelbahn fahren wir auf einen der an die Stadt angrenzenden Berge. Von dort hat man einen netten Blick über die Stadt. Aber die 10€ pro Person ist es dann eigentlich nicht wert. Nun ja, wir ziehen weiter in die Altstadt. Wunderschöne, prunkvolle uns wirklich gut instand gehaltene Gebäude bestaunen wir. Auch die vielen Straßen und Gassen sind nett zu durchkreuzen. Kleine Cafés, Weingeschäfte und Boutiquen tummeln sich hier. Am Ende kaufen wir noch eine traditionelle Süßspeise Georgiens. Nüsse (meist Wallnüsse) werden an einer Schnur aufgefädelt und mit Traubensaft übergossen, welcher vorher zu Sirup eingekocht wurde. Dieser trocknet dann auf den Nüssen. Das Ergebnis sieht aus wie eine Wurst und schmeckt "ganz ok".

Zurück am Auto sitzen wir wieder draußen. Diesmal in Gesellschaft von Tamara und Gordon aus Berlin. Wir unterhalten uns über dieses und jenes und genießen es auch mal wieder über andere Themen als das Reisen zu sprechen.

Am nächsten Morgen sind wir recht früh wach, machen uns fertig, fahren tanken und dann zur Grenze.

10km vor der Grenze beginnt es aus Eimern zu regnen. Naja kann man nichts machen. Tschüss du tolles Georgien!