Sambia

Der letzte Tag in Botswana ist gekommen, nach einem kurzen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Wir fahren zur LKW Waage, wo wir unsere PCR Testergebnisse abholen. Wir sind beide negativ, somit können wir zur Grenze nach Sambia fahren.

An der Grenze fahren wir über eine neumodische und sehr moderne Brücke. Nicht ganz billig die 500 Meter über die Brücke, denn die Nutzungsgebühr für die Brücke sind 20 US Dollar und dabei bleibt es nicht. Am Grenzposten angekommen, ist die Ausreise aus Botswana innerhalb 10 Minuten erledigt. Die Einreise nach Sambia ist für Linda ebenfalls schnell erledigt. Visa on arrival macht es möglich!

Danach ist Hanjo an der Reihe. Dort dauert es länger, da das Auto mit abgefertigt werden muss. Straßengebühr 20 US Dollar, Abgassteuer 25 US Dollar und die Brückennutzung mit 20 US Dollar wird auch dort entrichtet. Das Carnet wird gestempelt, aber ins Auto schauen will keiner. Man möchte uns noch eine überteuerte Autoversicherung  aufzwingen, wir lehnen ab. Eine weitaus günstigere Versicherung können wir nämlich in der nächsten Stadt abschließen.

Die deutsche gilt hier nicht und jedes Fahrzeug muss hier eine Versicherung haben. Ansonsten kann es teuer werden. Wir schließen eine Versicherung ab, welche auch für die restlichen Länder gilt, die wir bereisen wollen. Ähnlich wie unsere grüne Versicherungskarte in der EU, nur ist sie hier gelb ;-). Danach besorgen wir uns eine SIM Karte, damit wir wieder online sind.

 

Da sind wir nun in Sambia, Land Nummer vier auf unserer Reise. Es geht nach Livingstone, wo die berühmten Victoria Falls zu Hause sind.

 

Von einem anderen Overlander Paar, den Overlandbirds, bekommen wir einen Tipp für einen guten Campground. Somit stehen wir wieder zusammen wie schon in Botswana.

Am nächsten Morgen frühstücken wir entspannt draußen. Doch auf einmal sagt Linda, da tropft etwas unter dem Auto! Hanjo schaut nach.

Shit! Es ist der Tank der leckt. Die Verbindung zwischen dem Zusatz- und Haupttank ist auf der Seite des Haupttanks undicht. Es ist die Holschraube, vielleicht haben sie bei der ganzen Reparatur die Schraube vergessen anzuziehen?! Hanjo probiert sie vorsichtig nachzuziehen. Doch schon kurz nach dem ansetzen des Schraubenschlüssels, kommt der Diesel im Strahl aus dem Tank. Hanjo wird von beiden Seiten mit Diesel geduscht. Er hält mit der einen Hand den Haupttank zu und mit der anderen Hand den Zusatztank zu. Linda versucht die Ersatzteilbox vom Dach zu holen, wo wir etwas zum provisorischen abdichten haben. Doch die Box ist so hoch und schwer, dass sie die Kiste nicht vom Dachgepäckträger bekommt. Sie holt Nelly (Overlandbirds) und er hilft uns.

Wir können den Tank provisorisch abdichten. So ein Mist, wir haben gestern erst vollgetankt und sind seit dem nur 100km gefahren! Den Zusatztank können wir so abdichten, dass wir den Diesel nicht ablassen müssen. Doch der Haupttank muss raus um die Leckage reparieren zu können. Wir organisieren einige Kanister und können die 140l Diesel in Kanister abfüllen. Danach beginnen wir mit dem Ausbau des Tanks. Am Abend ist der Tank draußen. Was war der Fehler?! Das Gewinde im Tank, eine Einziehmutter, ist ein anderes als die Hohlschraube. Somit war es vorprogrammiert, dass es nicht ewig halten sollte. Nelly, der schon seit mehreren Jahren unterwegs ist, hat gefühlt alles dabei. Ob es daran liegt, dass er einen Defender fährt ;-). Egal, Nelly ist überaus hilfsbereit und wir schneiden das Gewinde am Tank nach, das Gewinde der Holschraube probieren wir mit einem Gewindeschneider aufs passende zu ändern. Siehe da es funktioniert. Wir füllen wieder etwas Diesel in den Tank um zuschauen ob es dicht es. Am nächsten Morgen ist keine Leckage zu erkennen, Versuch geglückt. Hanjo dichtet und fixiert es zur Sicherheit noch zusätzlich mit Epoxidharz. Nun kann der Tank wieder eingebaut werden. Während des Einbaus, müssen wir immer wieder mal die Arbeit einstellen, da Affen unser Werkzeug sehr interessant finden. Während Hanjo unterm Auto liegt, sieht er im Augenwinkel eine Schlange. Hanjo bringt sich schnell in Sicherheit und wartet bis die Schlange von dannen zieht. Nach dem Einbau, müssen die ganzen Kanister wieder in den Tank gefüllt werden. Mit Einbruch der Dunkelheit sind wir endlich fertig. Wieder zwei Tage geschraubt…

Nun machen wir uns auf den Weg in Richtung South Luangwa, wir verabschieden uns von Nelly und July. Es geht zunächst Richtung Lusaka wo wir eigentlich am selbigen Tag ankommen wollen.

Bei der Reparatur ist aufgefallen, dass ein Schraubendreher weg ist. Naja wir werden schon einen neuen finden. Wir kommen durch Choma, entlang der Straße gibt es einige Läden, die Werkzeug und Ersatzteile verkaufen. Wir probieren unser Glück, doch Fehlanzeige, keiner hat einen Schlitzschraubendreher.

An einem Shop hält auf einmal ein gepflegter Landcruiser J6 an. Der Herr spricht uns im perfekten Deutsch an, wo es denn hin gehen soll. Wir sagen ihm, dass wir einen Schraubendreher suchen. Er sagt er könne uns helfen und wir sollen ihm nachfahren. Am zweiten Laden ergattern wir einen!

Der Herr mit dem Landcruiser ist Theo, er lebt seit 18 Jahren in Sambia und hat die meiste Zeit Projekte begleitet im Rahmen europäischer Unterstützung. Er lädt uns ein und so fahren wir zu ihm nach Hause. Unter einem großen Avocadobaum können wir parken. Leider sind die Avocados noch nicht reif. Theo kann uns unfassbar viel über Sambia erzählen, es ist wieder mal eine wahnsinnig tolle Begegnung. Er bietet uns an bei ihm zu übernachten. Diese Einladung nehmen wir gerne an.

Doch vorher fahren wir am Nachmittag mit ihm zu einer Farm, dort können wir sehen wie hier Landwirtschaft funktioniert. Die Farm ist in etwa 3.500 Hektar groß, sie betreiben eine Biogasanlage und so sind sie vom Strom völlig autark. Die 3.500 Hektar werden hier nicht vollständig bewirtschaftet, die Felder die bestellt werden sind nur ein kleiner Teil.

Am Abend essen wir gemeinsam mit Theo und seiner Ehefrau. Vor kurzem waren erst Wahlen im Land und es war die erste richtig demokratische Wahl. Die Wahlen vorher waren wohl häufig nicht wirklich demokratisch. Der neue Präsident Hakainde Hichilema genießt ein hohes Ansehen und die Leute bauen auf ihn. In den wenigen Monaten in dem er im Amt ist, hat er schon einiges umsetzen können. Die Hoffnung ist auch, dass die Korruption zurückgeht.

Wie viele afrikanische Länder ist Sambia ebenfalls reich an Bodenschätzen. Hier wird hauptsächlich Kupfer und Kobalt gefördert aber auch Gold und Silber. Das weckt natürlich auch das Interesse anderer Länder. Die Chinesen sind da besonders dreist und nehmen viele Minen ein.  Wir erfahren, dass die Chinesen an sehr kleine Minen herantreten und ihnen Kredite geben. Damit sollen die Minen expandieren, die einfachen Minenbesitzer wissen natürlich nicht wie das geht und verprassen das Geld. In den Verträgen steht aber, wenn sie das Geld nicht in einem bestimmten Zeitraum zurückzahlen geht die Mine an die Chinesen über. Die Menschen hier können die Zahlungsfristen natürlich nicht einhalten und so machen sich die Chinesen nach und nach breit. Eine andere Masche ist der Erstellung von Infrastruktur und dafür erhalten sie Abbaurechte, dies geschieht meist auf staatlicher Ebene. Das sollte nun ein Ende haben. Afrika ist so reich an Bodenschätzen es ist für die Industrieländer fast wie ein Supermarkt für Rohstoffe, nur bekommt das Volk selbst davon nichts ab. In Sambia haben nur ca. 80 Prozent der schulpflichtigen Kinder Zugang zu Bildung.

Am Morgen frühstücken wir gemeinsam, Theo hat deutsches Brot und richtig guten Käse! Es ist ein Traum! Theo begleitet uns noch ein Stück denn er zeigt uns wo wir diesen köstlichen Käse kaufen können. Danach verabschieden wir uns. Ja aus einer Suche nach einem Schraubendreher wird eine wahnsinnig tolle Begegnung, so ist es eben unterwegs.

Am späten Nachmittag erreichen wir die Hauptstadt Lusaka, außerhalb der Stadt finden wir einen kleinen heruntergekommenen Campingplatz. Es ist okay, wir bleiben eh nur eine Nacht, da wir am South Luangwa mit Miriam und Omar verabredet sind.

Wir haben die beiden Reisenden auf einem Campingplatz in Botswana kennengelernt und wir wollen nun ein paar Tage gemeinsam verbringen. Auf dem Weg zum South Luangwa fahren wir eine alte Nebenstrecke die nur in der Trockenzeit befahrbar ist. Wir fahren durch viele ausgetrocknete Flussbetten, dazwischen Reihen sich kleine Dörfer. In den Dörfern gibt es meist einen Brunnen mit Handpumpe. Die Frauen und Kinder sind für die Wasserversorgung zuständig. Selbst Kinder die keine 5 Jahre alt sind, schleppen schon Eimer mit Wasser. Auf den Feldern sehen wir ebenfalls immer wieder Kinder die schon mit anpacken müssen. Hier auf dem Dorf müssen Kinder schnell Verantwortung übernehmen. Wenn die Kinder unser Auto sehen rennen sie zur Piste und winken. Während sie winken rufen sie laut „sweeets“. Sie wollen Süßigkeiten, doch wir haben keine und finden es auch nicht richtig, Süßigkeiten zu verteilen.

Jedoch ist dieses Verhalten von Dorf zu Dorf verschieden. In einigen Dörfern vernimmt man das Wort "Sweeeets" und da wir nichts verteilen fliegt dem Lux auch schon mal eine Mango hinterher (glücklicherweise hat sie nur die Stoßstange getroffen). In anderen Dörfern lachen und winken die Kinder uns ohne jegliche Forderung nach Süßigkeiten. Wir schenken den Kindern zum Teil Buntstifte, worüber sie sich auch sehr freuen. Süßes haben sie eigentlich genug, denn in den Dörfern stehen immer Mangobäume und alle essen jederzeit die überreifen süßen Früchte.

An einem schönen Campingplatz direkt am Luangwa treffen wir Miriam und Omar. Im Fluss sind Hippos und Krokodile, Einheimische sind auf dem Fluss unterwegs mit ihrem Einbaum. Dabei müssen sie vorsichtig sein, denn die Hippos können sehr aggressiv werden.

Am folgenden Tag starten wir gemeinsam und sind von nun an drei Tage gemeinsam unterwegs. Es ist wirklich schön mal ein paar Tagen mit Gleichgesinnten und gleichaltrigen unterwegs zu sein. Wir haben tolle Gespräche und tauschen uns über alles Mögliche aus. Wir fahren gemeinsam in Richtung North Luangwa und durchqueren diesen. Danach verschlägt es uns wieder in verschiedene Richtungen. Aber eins ist Gewiss, wir haben uns nicht das letzte Mal gesehen. 

Dank des Tipps von Miriam und Omar, fahren wir zum Kasanka National Park. Dort ist von Oktober bis November die größte Flughund Migration der Welt zu Hause. Es ist ein gigantisches Naturschauspiel, wenn die Flughunde zum Sonnenuntergang zu Millionen ausschwärmen um sich nachts den Magen voll zuschlagen. Sie fressen die reifen Mangos, in dem sie die Früchte auspressen. Die Palmenflughunde kommen aus den angrenzenden Ländern wie zum Beispiel Angola und Kongo, dabei legen sie Entfernungen von bis zu 2.000 Kilometer zurück. Nach rund einer Stunde ist das Spektakel vorbei und wir fahren zum Camp außerhalb des Nationalparks.

Der nächste Morgen bricht an und wir machen uns auf den Weg in Richtung Norden. Das Tagesziel sind die Kapishya Hot Springs.

Es ist wirklich toll hier, allerdings ist es auch teuer und wie wir finden nicht unbedingt gerechtfertigt. Aus diesem Grund bleiben wir nur zwei Nächte, wir sind die zwei Tage die einzigen Gäste.

Am Tag unserer Abreise wollen wir noch kurz unseren Wassertank füllen. Wir fahren zum Wasserhahn und schließen unseren Schlauch mit Filter an. Circa 70 Liter müssten es sein, allerdings ist der Wasserdruck so gering, dass kaum etwas durch den Filter geht. Nach ca. 50 Liter und zwei Stunden, neigt sich unsere Geduld dem Ende zu und wir machen uns auf den Weg.

Es geht weiter Richtung Norden. Die Straße wird zunehmend schlechter, immer wieder sieht man verunglückte LKWs. Die Schlaglöcher haben es in sich und hin und wieder legt man eine Vollbremsung hin. Dann heißt es möglichst um die tiefsten Schlaglöcher herum zirkeln, damit man nicht zu sehr durchgeschaukelt wird. Irgendwann ist es dann nur noch eine Piste, allerdings ist es eine Umleitung! Die Chinesen bauen eine neue Straße, Teilstücke sind bereits fertig und es ist ein Genuss auf dieser Straße zu fahren. Am Straßenrand kaufen wir noch ein bisschen Gemüse.

Wir übernachten noch einmal unweit der Hauptstraße auf einem Campingplatz. Es ist die letzte Übernachtung in Sambia, dieses Land hinterlässt bei uns viele prägende Eindrücke (u.a. Eine Geschichte - ohne Bilder).  Lehmhütten im Kontrast zur Hauptstadt Lusaka, keine Supermärkte mehr und die ersten Bilder wie man sich Afrika „wirklich vorstellt“. Dagegen waren Südafrika, Namibia und Botswana eher zum Aufwärmen.

Die letzten 55 Kilometer nehmen nochmal eineinhalb Stunden in Anspruch, da die Straße mehr aus Schlaglöchern besteht als aus Asphalt. Diesmal fahren wir ohne einen PCR Test zur Grenze. Über unser Overlander Netzwerk haben wir die Info, dass dieser zwar offiziell gefordert aber nie kontrolliert wird. Also sparen wir uns die 120 Euro und probieren es so. Ob es wirklich geklappt hat könnt ihr in unserem nächsten Reisebericht erfahren. Also bis bald!