Tansania

Von Sambias Norden aus passieren wir die Grenze zu Tansania.

Ein riesengroßes Chaos. Die Grenze verläuft direkt zwischen zwei Städten (Nakonde/Tunduma). Hunderte LKW, Menschen soweit das Auge reicht und Grenzmitarbeiter in privater Kleidung. Unübersichtlicher könnte eine Grenze wohl kaum sein.

Direkt werden wir von mehreren Geldwechslern und Fixern (Grenzschleuser, zeigen einem wo man hin muss) umlagert. Doch dank der App iOverlander (App für Fernreisende) haben wir eine perfekte Anleitung wie hier alles funktioniert und so können wir uns die 20USD welche die Fixer alle haben wollen gut sparen.

Die Dienste eines Geldwechslers nehmen wir nach harten Verhandlungen in Anspruch. Umgerechnet 100€ haben wir noch in Kwatcha (Sambia) und wechseln diese zu einem annehmbaren Kurs in die tansanische Währung Schilling.

Am ersten Gebäude stempeln wir das Carnet de Passage (Zolldokument für das Auto) aus Sambia aus und fahren dann zum „One Stop Borderpost Gebäude“. In diesem Gebäude sind Zoll und Immigration von beiden Ländern in einem Gebäude vereint.

Wir gehen nacheinander zur Grenze um das Auto nicht allein zu lassen. Linda macht den Anfang. Sie schnappt sich ihren Reisepass, Impfausweis, das sambische Visum und geht los.

In einer Schlange stehen zwei Personen an einem Scanner wie am Flughafen an. Schnell eingereiht und durch. In der Immigration Halle wird der Pass aus Sambia ausgestempelt und nach dem Entrichten von 50USD für ein 90 Tage Visum in Tansania wieder eingestempelt. Fertig.

Nun ist Hanjo dran auch er schnappt sich Pass, Impfausweis und alle Unterlagen für das Auto.

Nach nur kurzer Zeit kommt er zurück. Was ist da los? Von Hanjo wollen sie einen PCR Test sehen. Linda hat wohl unwissentlich und unbemerkt eine Station übersprungen. Wir haben nur einen alten PCR Test. Mit dem sind sie leider nicht zufrieden, machen für Hanjo aber nach einigen Diskussionen einen Schnelltest. Dieser soll 20USD kosten. Als Hanjo nach einer Quittung fragt und bei der Bank im Gebäude zahlen will verschwindet der Herr. Nach kurzer Zeit kommt eine Dame zurück, händigt das Testergebnis aus und sagt, dass Hanjo gehen kann. Hmmm….Korruption?!

Hanjo durch läuft die Immigration wie Linda und kümmert sich dann beim Zoll um die Formalitäten des Autos.

Beim Zoll will erst keiner das Carnet in Tansania wieder einstempeln. Nach verhandeln und erklären stempeln sie. Eine Dame kontrolliert noch am Fahrzeug die Chassisnummer und dann sind wir nach dreieinhalb Stunden durch. Willkommen in Tansania.

Ein Grenzsoldat kontrolliert nochmal unsere Papiere und dann öffnet sich ein Tor. Es spuckt uns mitten auf einen Kreisverkehr aus. Tucktucks, Motorräder, LKW, Radfahrer und Fußgänger laufen und fahren kreuz und quer unter lautem Gehupe durcheinander.

WoW….wie anders es nur einen Schritt hinter einer Grenze sein kann. Die Tucktucks und LKW sind bunt bemalt, am Straßenrand reihen sich kleine Geschäfte mit allen möglichen Gütern. Linda meint es ist ein bisschen wie Indien, nur mit weniger Menschen (obwohl es schon echt viele sind).

Wir fahren eine Straße (T9) Richtung Nordwesten. Asphaltiert vom Feinsten, die Amerikaner haben diese Strecke finanziert. Immer wieder an der Straße, kleine Dörfer. Was dabei direkt auffällt ist, dass ALLE Häuser gemauert sind und die meisten ein Spitzdach aus Wellblech haben. Die Lehm und Strohhütten aus Sambia sind zunächst verschwunden.

Wir sind beide nach der Grenze ziemlich k.o. und wollen recht früh einen Schlafplatz finden. Auch hier ist uns die App iOverlander wieder behilflich. Wir steuern einen dort verzeichneten Platz an. Angekommen entpuppt sich dieser als kleiner Steinbruch. Vier Männer laufen umher und beäugen uns. Wir parken erstmal um die Lage zu checken.

Einer der Männer kommt zu uns rüber. Wir begrüßen ihn und schnell wird klar, dass er kein Englisch spricht. Nur Swahili. Ok, mit Händen und Füßen fragen wir was sie hier machen. Sie zeigen uns wie sie mit großen Vorschlaghämmern und kleinen Fäußteln die großen Felsbrocken zu Kies hauen. Kaum zu glauben, dass es sowas noch gibt im 21. Jahrhundert. Wir erklären mit Händen und Füßen, dass wir hier eine Pause machen wollen.

Also essen wir erstmal was und hoffen, dass die Männer Feierabend machen und wir eine ruhige Nacht haben. Sie gehen, kommen jedoch ca. 30 Minuten später mit einem Trecker mit Anhänger und noch mehr Männern wieder. Hanjo geht mal schauen, was da vor sich geht. Mit Schaufeln laden sie die produzierten Kieshaufen auf. Einer der „neuen“ Männer spricht Englisch. Hanjo erfährt, dass im nahen Dorf etwa 600 Menschen leben und dieser Steinbruch zum Bau der Straße erschlossen (von den Amerikanern) wurde und die Einheimischen ihn nun weiter nutzen. Einer der schaufelnden Männer macht etwas schlapp. Ohne groß zu zögern packt Hanjo mit an und schaufelt unter staunenden Blicken und Lachen Kies mit den anderen auf die Ladefläche des Hängers. Nach dieser Tat ist die Frage, ob wir hier übernachten könnten nur noch obligatorisch. Und so verbringen wir eine ruhige erste Nacht in Tansania. Allerdings nur bis 5.30, denn dann rückt der Trecker wieder an und es wird wieder geschaufelt. Einer der Männer ruft noch „Good Morning Mister!“. Wir stellen uns schlafend und nach kurzer Zeit zieht der Trecker wieder ab und wir können noch zwei Stunden schlafen. Als wir dann aufstehen sind die Männer schon wieder am Steine hämmern. Zum Abschied schenken wir jedem eine Zigarette, welche mit großem Dank angenommen wird.

Dann rollen wir auf der T9 wieder weiter. Durch Dörfer, vorbei an Feldern die beackert werden. Häufig durch Frauen und Kinder aber auch Ochsenpflüge kommen zum Einsatz.

Am Straßenrand immer wieder viele Kinder jeden Alters. Oft sind sie mit Hacken unterwegs zu den Feldern oder in zerschlissener Schuluniform. Ein paar Mal halten wir an um Fotos zu machen. Wir bewegen uns in Höhen zwischen 1200 und 1600münN.

Schon gegen 14 Uhr haben wir keine Lust mehr zu fahren. Wir merken dass die vielen eindringlichen Eindrücke Afrikas uns sehr fordern und verarbeitet werden wollen. Leider weit und breit kein Campingplatz o.ä. und so müssen wir uns selbst einen Platz suchen. Hinter einem Dorf soll laut Navi ein Weg weiter gehen aber dort nichts mehr sein. Wir probieren das aus. Bei der Durchfahrt des Dorfes werden wir interessiert beäugt. Der Weg ist eigentlich nur ein Pfad welcher von Fußgängern, Radfahrern und Motorrädern genutzt wird. Naja für den Lux reicht es gerade. Der Weg ist voller Menschen. Fast alle, auch die kleinen Kinder, tragen etwas auf ihren Köpfen. Fahrräder sind beladen wie wir es noch nie gesehen haben. An einer Stelle hat der Weg eine recht große Ausbuchtung. Wir parken dort. Den ganzen Nachmittag kommen Leute vorbei und schauen neugierig. Wir grüßen alle freundlich und unser Gruß wird meist erwidert. Der ein oder andere versucht mit uns zu sprechen und wir nutzen wieder Hände und Füße, was oft für Gelächter auf beiden Seiten sorgt.

Am frühen Abend kommt John vorbei. Ein 18 Jähriger, der gebrochen Englisch spricht. Er wurde wohl vom Dorf geschickt und soll uns einladen neben einem Haus zu übernachten. Auf dem Platz auf welchem wir stehen soll es gefährlich sein wegen der Schlangen. Wir unterhalten uns über dies und das. Und am Ende bedanken wir uns sehr für die Einladung und sagen, dass wir aber auf dem Platz bleiben wollen. Als wir ihm unsere Machete zur Verteidigung zeigen ist er beruhigt. Gern hätten wir das Angebot angenommen. Aber gerade jetzt zu Corona Zeiten ist es einfach nicht ratsam so dichten Kontakt zu haben.

Die Nacht verläuft ruhig, wieder bis 5.30. Eine große Kuh- und Ziegenherde wird auf dem Weg neben dem Lux vorbei getrieben. Und der Verkehr nimmt stetig zu. Da Fußgänger und Radfahrer aber recht leise sind schlafen wir noch bis 6.30 weiter.

Nach dem Frühstück fahren wir wieder auf die T9 auf und machen Kilometer. Allerdings nicht lange, denn die gute Asphaltstraße endet und geht in eine rote Piste über. Wir sehen einen schönen Wasserfall und finden wieder mit Hilfe von iOverlander einen Platz. Diesmal allein, ohne Menschen. Was ein angenehmer, entspannter Abend.

Weiter auf der Straße. Wir kommen nach Kigoma am Lake Tanganyika. Hier gibt es ein paar kleine Shops. Und so suchen wir uns einige Lebensmittel zusammen. Wir finden Nudeln und sogar ein paar Kekse. Auf dem Markt kaufen wir das übliche Gemüse: Tomaten, Kartoffeln und Zwiebeln.

In Kigoma gibt es tatsächlich einen Campingplatz. Eine Dusche ist längst überfällig. Begrüßt werden wir von einem zahmen Zebra - Sebastian. Eigentlich wollten wir 3 bis 4 Nächte hier bleiben müssen aber feststellen, dass es keinen Empfang gibt. Gerade jetzt wo die neue Covid Mutation aufgetaucht ist und es wichtig ist die Entwicklungen zu verfolgen nicht gerade günstig. Und so entscheiden wir nach einer ruhigen Nacht und Dusche den Platz wieder zu verlassen.

Wir finden ein Hotel in Kigoma auf dessen Parkplatz wir campen und eine Toilette benutzen dürfen. Wir bleiben zwei Nächte, denn Linda geht es nicht so gut. Ein bisschen Heimweh, das Ansehen und Ertragen der Armut hier, der Stress mit Organisation der bevorstehenden Verschiffung und die Ungewissheit was passieren wird mit der neuen Corona Mutation setzen ihr zu. Am nächsten Morgen wacht sie zu allem Überfluss oder als Resultat aus all dem mit einer Erkältung auf. Ein COVID Schnelltest ist fix gemacht und dies erstmal ausgeschlossen.

Auf dem Markt kaufen wir Ingwer und Zitrone, tanken nochmal voll und fahren nach zwei Nächten auf dem Hotelparkplatz aus der Stadt heraus.

Eine asphaltierte Straße begleitet uns eine ganze Weile. Eine enorme Menge an Autos von diversen Hilfsorganisationen (UNHCR, Save the children, Rotes Kreuz, World Food Program, USAid…) begegnet uns. Kein Wunder, denn die Grenze zu Burundi ist nicht weit. Das Land steckt seit Jahren im Bürgerkrieg und viele flüchten nach Tansania. Die Organisationen unterhalten hier viele Flüchtlingscamps.

Irgendwann endet der Asphalt und geht in eine rote „Umleitungspiste“ über. Die Chinesen bauen hier eine neue Asphaltstraße. Immer wieder sieht man Teilstücke welche schon vorbereitet sind mit einer schwarzen Decke überzogen zu werden. Die Regenzeit hat nun doch begonnen und es gießt aus Eimern. Die Straße verwandelt sich fast in einen Fluss und der Lux wird richtig rot. Ca. 180km nördlich von Kigoma finden wir einen gerodeten Platz welcher wohl genutzt wird um Erde für die neue Straße zu gewinnen. Wir wollen hier Mittagessen.

Linda geht es nicht gut und der Platz sieht ok aus. Nicht schön, aber von der Straße nicht einsehbar und es scheinen auch keine Menschen vorbei zu kommen. Wir beschließen hier die Nacht zu verbringen. Hanjo backt Pfannkuchen, wir duschen, Linda trinkt Tee, wir kochen One Pot Pasta und so stehen wir am Ende drei Nächte auf dem Platz, ohne dass irgendjemand vorbei kommt.

Während dieser Zeit beschäftigen wir uns intensiv mit unserer weiteren Reiseroute. Mit der neuen Omikron Variante steht die Welt wieder auf dem Kopf und wir wollen vermeiden in einem Land länger fest zu stecken. Wir entscheiden uns den Lux im Januar in den Oman zu verschiffen. Zunächst sieht es so aus, als ob wir sogar einen Container Partner haben. Dies zerschlägt sich leider nach einigen Tagen und somit werden wir wohl alleine verschiffen.

Das Wetter bessert sich und wir fahren weiter Richtung Norden. Am späten Nachmittag finden wir wieder ein nettes Plätzchen zum übernachten.

Am nächsten Tag besuchen wir eine Schule. Eine befreundete Familie von Hanjos Eltern hat Geld an diese Schule gespendet. Damit werden neue Toiletten und zwei Klassenräume gebaut. Herzlich werden wir empfangen und nach kurzer Erklärung weshalb wir hier sind werden uns stolz die neuen Bauten präsentiert. Im Januar soll alles fertig sein. Es sieht gut aus und bringt für die 1000 Schüler/innen und 14 Lehrer/innen sicher eine Verbesserung. Während der ganzen Zeit folgt uns eine Horde Kinder, denn es ist gerade Pause. Neugierig verfolgen sie jeden Schritt und sind dennoch recht scheu.

Im Dorf um die Schule ist es wieder krass zu sehen wie einfach die Menschen hier leben, aus Scham machen wir deshalb eher wenig Bilder. Längst sind die Lehmhütten mit ihren Strohdächern wieder präsent. Die Kinder meist in zerfetzten Kleidern, welche die Farbe des roten Lehmbodens mittlerweile angenommen haben. Sie schleppen Eimer mit Wasser auf dem Kopf wie die Mutter. Doch häufig sieht man die Kinder auch völlig allein im Niemandsland. Der Alltag ist hier gefüllt mit der Sicherstellung der eigenen Existenz. Wasser beschaffen, was immer wieder weite Wege in Anspruch nimmt und Grundnahrungsmittel wie Mais, Kartoffeln, Tomaten und Bananen besorgen oder selbst anbauen. Strom hat hier fast niemand, obwohl man immer wieder eine Überlandleitung sieht. Diese transportieren den Strom aber nur in die größeren Dörfer/Städte.

In der Nähe von Bukoba stehen wir zwei Nächte wunderschön am Victoria See. Neben uns der Bischofssitz und hinter uns eine riesige zerfallene alte Hotelruine. Die Temperatur ist mehr als angenehm, ein lauer Wind geht und die Sonne taucht am Abend alles in ein wunderschönes Licht. In dieser Gegend wächst Nadelholz. Scheinbar angepflanzt um den Bedarf an Brennholz zu sichern. Einheimische krabbeln die Bäume hoch und hacken von oben nach unten die Äste ab. Diese werden aufgeschichtet, mit Reisig und Erde abgedeckt und das ganze dann angezündet, dass es glimmt. So stellt man hier Holzkohle her.

Die Lage in Bezug auf die neue COVID Variante scheint weitestgehend stabil zu sein und so beantragen wir unser East-Africa Visum online. Das Visum gilt für Ruanda, Uganda und Kenia. Allerdings hat Ruanda weiterhin seine Grenzen weitestgehend geschlossen und so werden wir nur Uganda und Kenia besuchen. In Uganda wird uns ein guter Freund besuchen und wir werden dann für eine Woche zu dritt unterwegs sein.

Wir verbringen noch eine Nacht zwischen Zuckerrohrfeldern und passieren dann nach exakt zwei Wochen im Land die Grenze zu Uganda.